Warum Maple Mini Boards mit STM32 nicht (mehr) lohnen

Beim Kompilieren von Firmware für die Blue Pill mit STM32 bin ich desöfteren darüber gestolpert, dass im Logfenster von "Using core 'maple' from platform in folder ...\Arduino15\packages\stm32duino\hardware\STM32F1\..." und "\\system/libmaple/include" die Rede ist.

Oder ich binde die Libraries libmaple/libmaple.h und libmaple/bkp.h für meine Projekte ein.

Das Original LeafLabs Maple Mini Board


Die Maple Mikrocontroller-Plattform war eine der ersten mit ARM Cortex-M3 Chip, sprich dem STM32. 2009 brachte LeafLabs der Maple (etwa Arduino Uno-Format) heraus und 2011 den Maple Mini (etwa Arduino Nano-Format), den man auch in ein Breadboard stecken konnte.

2015 beschloss LeafLabs dann, die Linie einzustellen, stellte sie aber als Open Source unter CC-BY-SA 2.0 Lizenz auf GitHub seiner Fangemeinde zur Verfügung. Seitdem wird die Platform von der Community weitergepflegt, z. b. unter stm32duino.com.

Maple Mini Nachbauten

Maple Minis gibt es zwar nicht mehr als Original zu kaufen, aber es werden Nachbauten angeboten. Zumeist auch mit blauer Platine. Darum muss man ein wenig aufpassen, sie nicht mit einer Blue Pill zu verwechseln:



Die Blue Pill


Später haben sich die schlauen Chinesen wohl an dem Design des Maple Mini orientiert und so zum Beispiel die Blue Pill, auch mit STM32 daraus entwickelt. Kompatibel zum Maple Mini konnte die hardwarenahe Software weiter verwendet werden.

So kommt es, dass bei verwendet der Blue Pill immer noch auf Libraries zugegriffen wird, die den Namen "Maple" in sich tragen.


Vergleich Maple Mini und Blue Pill

Wenn das Maple Mini nun das "Original" ist, wäre es dann nicht gescheiter das zu benutzen anstatt der Blue Pill? Außerdem kann man die Maple Mini Boards direkt über den USB-Boards flashen, habe ich mir sagen lassen.

Das Maple Mini ist mit ca. 9 € pro Stück aus Deutschland über amazon.de gegenüber 3,33 € das Stück im Dreierpack aus Deutschland über amazon.de wesentlich teurer, aber lohnt sich der Aufpreis wirklich?

Ich habe die Features einmal in einer Tabelle gegenübergestellt:

LeafLabs Maple Mini Vorteil liegt bei Blue Pill
STM32F103C8T6, 7 MHz, 28 GPIO-Ports <-> STM32F103C8T6, 7 MHz, 28 GPIO-Ports
offiziell 64 kB, wahrscheinlich aber auch 128 kB Programmspeicher -> offiziell 64 kB, bisher aber immer 128 kB Programmspeicher
kann direkt über USB geflasht werden <-> mit STM32duino Bootrom kann auch hier direkt über USB geflasht werden
keine Power LED, eine interne LED an PB31 -> Power LED (rot) und interne LED (grün oder rot) an PC13
ca. 3.50 € aus China -> ab ca. 2 € aus China
kein STM Link Interface -> Flashen über ST Link möglich
ein programmierbarer Taster an PB8 <- kein programmierbarer Taster
beim Flashen muss ein Taster gedrückt werden <-> beim Flashen muss (oft) ein Taster gedrückt werden
ungenaue bis unbrauchbare RTC, da kein 32768 Hz Quartz -> 32768 Hz on Board für genaue RTC Zeit


Der große Vorteil des Maple Mini, nämlich die direkte Programmierbarkeit über den USB-Port löst sich ganz schnell in Wohlgefallen auf, wenn man die Blue Pill mit dem STM32duino-Bootloader flasht, was ich hier ausführlich erkläre. Dazu braucht es nur einen seriellen FTDI-Adapter oder besser noch einen a href="st-link-statt-serial-adapter-zum-flashen-des-stm32.htm">ST Link-Adapter (beides wenige Euro), mit denen man einmal den Bootloader flasht. Danach kann man die Blue Pill wie ein Maple Mini direkt über den USB-Port programmieren.

Auffallend sind die Nachteile des Maple Mini: die Echtzeituhr ist wegen fehlenden genauen Quartzes ungenau bis unbenutzbar, es gibt keine Power-LED, keinen Anschluss für den ST Link-Adapter und dazu ist er noch zwei bis dreimal zu teuer.

Fazit

Das eindeutige Fazit lautet also: Der Maple Mini und auch seine Nachbauten haben ihre Zeiten hinter sich und lohnen nicht mehr. Die Blue Pill ist hier preislich und leistungstechnisch viel besser.

Und auch die wird zunehmend bedroht vom ESP8266 und ESP32, die sehr viel leistungsfähiger sind und auch nicht mehr so viel mehr kosten.