3D-gedruckte Gorilla-Tripod-Schnellverschluss-Platte für Kamera und Smartphone

Da ich es mir nicht leisten kann, teures Video-Equipment für meine YouTube-Videos anzuschaffen, muss das herhalten, was ich bereits schon habe: Dieses Setup bringt gleich ein paar Probleme, die ich heute mittels 3D-Drucker lösen möchte:

selbst gedruckte Schnellwechselplatte inkl. Schraube


30 Euro für 2 Schnellwechselplatten für den Gorillapod? Für ein bisschen Plastik und eine Stahlschraube? Das nenne ich unverschämt.


Zum Glück habe ich einen 3D-Drucker. Also habe ich mir selbst so eine Platte konstruiert. Die passt auch sehr schön in den Gorilla-Pod und lässt sich auch wieder gut lösen.

Sie hat zwar keine Gummiauflage wie das Original, aber damit kann ich gut leben.


Ich habe die Platte flach aufliegend, mit dem kleinen Loch nach oben mit 100% Infill, Support und 0.2mm Layerhöhe gedruckt.

Man kann es auch hochkant und mit Support versuchen, aber auf die erste Weise hat es ganz gut geklappt.

Hier die entsprechenden Druck- Files zum Download (.idea ist für den Slicer IdeaMaker):

Braucht es nur noch eine dieser Zehntelzoll-Kamerastativ-Schrauben, die unten in die Kamera passen und mit denen man die Platte anschrauben kann. Dazu nimmt man natürlich am besten passende Schrauben aus Stahl, die ich mir als Zehnerpack günstig aus China bestellt habe.

Doch bis die ankommen, dauert es ein paar Wochen.


Solange wollte ich nicht warten. Und da ich in mein Hobbyking Filament trans blue, das gerade im Drucker steckt, in Sachen Bruchfestigkeit doch ganz gutes Vertrauen habe, habe ich mich getraut eine entsprechende Schraube selbst zu konstruieren.

Geholfen hat mir dabei der OpenSCAD-Source von Mike Mattala, den er als Nut Job in Thingiverse veröffentlicht hat. Ein paar Anpassungen später war meine Schraube auch schon fertig designed.

Es brauchte zwar noch ein paar Ausdrucke, um die richtige Dicke und den richtigen Abstand der Windungen zu finden, damit die Schraube mit diesem perfekt passt, aber dann hatte ich ein brauchbares Exemplar, dass sogar recht stabil ist und das man fest genug drehen kann, damit alles gut hält.


Gedruckt wird die Schraube mit dem Kopf nach unten. Support braucht es so keinen. Infill 100% und 0.2mm Layerhöhe waren meine sonstigen Einstellungen.

Hier die entsprechenden Druck- Files zum Download (.idea ist für den Slicer IdeaMaker):

Das gedruckte Examplar kommt dem Original schon recht nahe. Ich habe allerdings den Schraubenkopf ein wenig dicker konstruiert / gedruckt, um mehr Stabilität zu erreichen. Da die Schraube aufrecht gedruckt wird, ist eine gute Layer-Adhäsion des Filaments notwendig und die Schraube wird brechen. Dann darf man sie wieder aus dem Gewinde herausfummeln. Ich habe es nicht machen müssen, weil ich immer vorsichtig genug war, aber ich kann mir vorstellen, dass das ganz gut geht, indem man einen kleinen Schraubenzieher heiß macht, tief in das PLA steckt, abkühlen lässt und dann langsam dreht.


Schwupp. Fertig. Etliche Euro gespart. Obwohl das schon ein ganz schönes Hin- und Herprobiere in OpenSCAD war, bis alles perfekt passte. Gerade bei der Schraube hat es nur minimale Toleranzen. Aber die Mühe hat sich gelohnt. Der Nachdruck schnackelt fast genauso gut wie das Original.

Und ihr spart euch ja die Mühe, könnt euch direkt die STLs herunterladen und ausdrucken. Je nach Filament müsst ihr aber evtl. doch ein wenig skalieren oder die Flowrate, mit der euer Filament herauskommt, anpassen.

Schnellwechselplatte für die Sony WX220, mit der man noch an die SD-Karte kommt

Jetzt könnte ich die eben gedruckte Schnellwechselplatte auch gleich an meiner Kompaktkamera, der Sony WX-220 benutzen. Das klappt auch wunderbar, hat nur einen Haken, der auch bei der original Wechselplatte auftritt und mich schon ewig nervt.

Obwohl die Schnellwechselplatte wirklich schon ziemlich klein ist, ist sie so groß, dass sie dei Klappe für SD-Karte und Akku überdeckt, so dass diese nicht mehr öffnet.

Das heißt, dass ich jedesmal, wenn ich ein Foto oder Video von der SD-Karte haben möchte, die Schnellwechselplatte abschrauben muss und für die nächste Aufnahme wieder anschrauben muss. Das nervt natürlich extrem mit der Zeit.

Wer jetzt den Tipp hat, die Fotos und Videos via WLAN zu übertragen: das macht mit dieser Kamera keinen Spaß. Es ist umständlich und langsam. Irgendwie scheint Sony in Sachen Apps und Funkverbindungen eh nicht so versiert. Auch die Fernsteuerungssoftware Imaging Edge Mobile (früher PlayMemories) stürzt neuerdings ständig ab und bringt sogar mein Samsung Smartphone zum Absturz, so dass es von sich aus neu rebootet.


Mein Idee dazu ist, die Schnellwechselplatte an einem Ausleger seitlich nach außen zu verschieben, so dass es nicht mehr im Weg ist. Und stattdessen ans Ende des Auslegers ein kleines Loch für die Stativschraube zu machen, so es dann festgeschraubt wird. Dann ist nur noch das Ende des Auslegers und die Schraube im Weg, aber das müsste passen.

Also erweiterte ich meine OpenSCAD-Konstruktion von der Schnellwechselplatte um einen Ausleger, ließ die ursprünglichen Löcher weg und brachte eines an der neuen Stelle an.

Dreh,- Angel und Knackpunkt ist hier das Loch für die Stativschraube. Das soll so weit wie möglich rechts sein, aber es soll auch noch genügend stabil sein und nicht ausreißen. 0,2 mm Abstand von außen geht also nicht. Ich habe deshalb so etwa 2 mm Wandstärke an der schmalsten Stelle gelassen. Abfeilen kann man später immer noch.


Gedruckt habe ich diesmal hochkant, mit der Plattenspitze nach oben. So war am wenigsten Support nötig. Das Infill habe ich wegen der Stabilität auf 100% und die Layerhöhe wie eigentlich immer auf 02.mm gesetzt.

Hier die entsprechenden Druck- Files zum Download (.idea ist für den Slicer IdeaMaker):
Angebracht an der Kamera sieht die Schnellverbindungsplatte folgendermaßen aus:



Hier sieht man noch einmal schön, wie knapp der Platz für die Schraube ist und wie der Deckel an die Schraube herankommt. Man sieht auch, wie ich den rechten Teil der Schraube abgefeilt habe, damit ein bisschen mehr Platz da ist. Zum Glück ist die Schraube aus Plastik und nicht aus Edelstahl.



Die Feilung habe ich im ca. 45 Grad Winkel vorgenommen, so dass der SD-Karten-Verschlussdeckel nun am PLA anliegt. Damit geht der Deckel fast ganz auf. Die SD-Karte lässt sich jetzt recht einfach und ohne große Fummelei herausnehmen.

Problem gelöst. Mit dem Schnellverschluss kann ich die Kamera jetzt schnell auf den Gorilla Tripod aufschieben und wieder lösen. Das ewige Schrauben kann ich mir so sparen.

Schnellwechselplatte und Halter für mein Samsung J5

Wo ich jetzt schon beim Konstruieren von Schnellwechselplatten für meinen Gorilla-Tripod bin, da kann ich doch auch eines für mein Smartphone konstruieren. Wie gesagt, macht das tolle Makroaufnahmen.


Beim Samsung J5 ist die Haupt-Kamera auf der Rückseite ziemlich weit oben in der Mitte. Auch die Knöpfe für Lautstärke und Ein/Aus sind in der oberen Hälfte des Smartphones. Außerdem ist das Smartphone in einen Metallrahmen eingefasst und etwa 9mm dick.

Meine Idee war also die, einen Halter zu konstruieren, den man von unten über das Smartphone schieben kann. Das musste gar nicht weit sein und hätte dann den Vorteil, dass die Kamera (oben) einen gewissen Abstand zum Stativ hat und man so die Tripod-Füße nicht in der Aufnahme sieht.

Ein bisschen stabil müsste das ganze schon sein, weil ein klein wenig kopflastig. Gleichzeitig will ich möglichst freie Sicht auf das komplette Display des Handys (übrigens fabelhaft mit dem OLED), um die Aufnahme zu überwachen oder den Zoom bzw. Dokus einzustellen.

Die Schnellwechselplatte kann bleiben wie gehabt. Auf die Seite, auf der normalerweise die Kamera aufliegen würde, schließt sich die Aufnahme für das Handy an. Man hätte an der Unterseite eine Abschlusswand (mit Loch für das Ladekabel) konstruieren können, aber den Aufwand habe ich mir gespart. Ein bisschen Klebeknete links und rechts neben den halten auf die Rückseite des Handy und der Fall ist auch erledigt. So kann ich weiterhin variieren, wie weit ich den Halter drauf schieben möchte und entfernt ist die Knete auch wieder schnell.


Wenn man hochkant (wieder mit der Plattenspitze nach oben) druckt (im *idea-File unten schon richtig gedreht), dann kann man sich jeglichen Support sparen. Gedruckt habe ich mit 20% Infill und 0.2 mm Layerhöhe.

Hier die entsprechenden Druck- Files zum Download (.idea ist für den Slicer IdeaMaker):
Mit dem Halter ist mein Smartphone schnell für eine Aufnahme gerüstet und auch genauso schnell wieder abgebaut. Die Übertragung der Bilder und Videos erfolgt via WLAN, was hier sehr viel besser als mit der Sony Kamera klappt. Darum kann die SD-Karte auch im Smartphone bleiben. Ich habe erst letztens günstig eine SD-Karte mit 128 GB von SanDisk gekauft, die dürfte genügend Platz für über 20 Stunden Video in Full HD haben. Da kann ich auch mal was längeres am Stück aufnehmen ;) Okay, 20 Stunden sind jetzt vielleicht ein wenig übertrieben, aber Flash-Speicher ist glücklicherweise erschinglich geworden.



Man sieht aber an den Bildern, dass das Smartphone keinen Weitwinkel bietet und man nur einen kleinen Bereich abfilmen kann. Das unten ist ein Mousepad in normaler Größe. Das passt von der Höhe nicht einmal ganz drauf. Für die meisten Sachen, die ich mache, ist das aber ausreichend. Bei der Dokumentation meiner Elektronik-Projekte geht es meist um kleine Sachen und da ist wiederum wichtig, dass auch nah dran scharf gestellt werden kann. Und dann kann die J5-Kamera sehr gut. Sogar ein klein wenig reinzoomen (bix 4x) ist möglich.

Zum Schluss noch ein kleines Video, in dem ich die fertig gedruckten Sachen noch einmal in laufendem Bild dokumentiere, selbstverständlich mit den gerade gedruckten Hilfsmitteln.