Filament-Test Sunlu PLA+ in Gold

Die mit meinem Anycubic i3 mega (Link Vorstellung/Ersteinrichtung) mitgelieferte 1 kg-Spule hat sich mit dem Druck meines selbstentworfenen OctoPi-Gehäuses in schwarz noch weiter dezimiert.

Da das schwarze Filament jetzt also fast alle ist, ist es an der Zeit, Nachschub zu bestellen. Da ich mit dem PLA DJ White von Sunlu damals sehr zufrieden war, suchte ich nach Sunlu Filamenten und wurde auf amazon fündig. Es ist gerade Black Friday Woche und so fand ich ein gutes Angebot: ein Set mit 3x 1kg Rolle PLA+ in schwarz, silber und gold für 39 Euro. Gold und silber wollte ich eh schon immer mal ausprobieren, wie das gedruckt aussieht und das macht sich bestimmt nicht schlecht. 13 Euro pro Rolle fand ich einen fairen Preis dafür. Also bestellt und wie immer hat amazon zügig geliefert.

Filament-Daten des Herstellers: SUNLU 3D filament 1.75, PLA+ Filament 1.75mm, 3KG PLA+ Filament 0.02mm for 3D Printer 3D Pens, Black + LightGold + Silver Verkauf durch: SUNLU 3D Official Preis: EUR 39,00 (kein Link, da keine Kaufempfehlung) Artikelgewicht 1000.0 Gramm Farbe LightGold (hier getestet) Material PLA (Polymilchsäure) - Dimensional Accuracy +/- 0.02 mm - PLA plus Filament - Low Odor

Bestellung / Versand / Verpackung


Wie von amazon zu erwarten, kam das Filament zügig an. Per amazon Prime am Samstag bestellt, am Dienstag angekommen.

Die Verpackung war ausreichend. Im großen Umkarton von amazon war ein kleinerer Karton von Sunlo, in dem die 3 Spulen nebeneinander, durch dünne Pappdeckel getrennt standen. Der große Karton war mit ein wenig Altpapier ausgestopft, allerdings nicht genug, so dass der innere, schwere Karton hin und herrutschte. Beschädigt wurde aber nichts.

Von Sunlu hätte ich mir 3 einzelne Kartons gewünscht, um die Filament-Rollen besser lagern zu können. Außerdem nimmt der Pappkarton drumherum noch einmal eher das Wasser auf und schützt das Filament an sich. Aber das ist nun wirklich halb so wild.


Auf der Seite des Sunlu Kartons findet man noch einmal alle Drucktemperaturen für deren Filamente. Für PLA+ sind das 190-230°C Extruder-Temperatur bei 60-80°C Bett-Remperatur. Außerdem ist hier nocheinmal die Toleranz von +/- 0.02 mm angegeben (dazu aber später mehr).


Die Spulen haben Durchsichtfenster. Somit ist der Füllstand auch von der Seite aus immer erkennbar. Die Spulen sind in einer einer festeren Folie vakuumverpackt und eingeschweißt, im Spindelkern liegt ein kleines Päckchen Silica-Gel. So sollte die Spule gut vor Feuchtigkeit geschützt sein.


Ich habe mir zuerst die Spule mit dem goldfarbenen Filament gegriffen und getestet. Diese brachte 1128 auf die Waage. Damit dürfte die Leerspule nur 128 Gramm wiegen. Ob das so hinhaut, wird sich erst später herausstellen, wenn sie leergedruckt ist. Ich finde es aber fast ein wenig wenig und hätte geschätzt, dass die Leerspule mehr wiegt.




Beim Gold ist das Filament ist zwar nicht perfekt, aber ziemlich ordentlich auf die Spule gewickelt. Seltsamerweise ist die schwarze Spule nahezu perfekt aufgewickelt, zumindest, was ich von außen beurteilen konnte. Seltsam, dass es hier Abweichungen zwischen den Farben gibt.

Als erstes wollte ich überprüfen, ob die Versprechung von ± 0.02 mm Toleranz ein leeres ist, oder ob das Filament diese Spezifikation einhält.

Dazu habe ich zehn unterschiedliche Stränge der äußeren Schicht (bzw. wo ich gerade gut heran kam) auf ihren Durchmesser gemessen. Bei einem Spulendurchmesser von ca. 20 cm macht das also einen Mindestabstand von ca. 63 cm zwischen den Messungen:

Filament Durchmesser Messungen: 1.70 1.69 1.72 1.70 1.70 1.71 1.72 1.69 1.70 1.70 min: 1.69 max: 1.72 (± 0.03) Die Filamentdicke scheint durchgehend geringer als 1.75 mm zu sein. Im Schnitt 1.70 statt 1.75 ist nicht gut. Aber vielleicht kann man das im Slicer mit einem größerem Wert für die Extrusionsmenge ausgleichen. Die Gleichheit der Dicke ist auch nur durchschnittlich mit ± 0.03 mm Abweichung. Das ist soviel wie beim Hobbyking, die reden aber nicht schön und geben 0.05 mm an. Während Hobbyking sein Versprechen hält, fällt Sunlu schon auf die ersten Meter durch. Das gesteckte 0.2 mm-Toleranz-Versprechen wird nicht eingehalten.

Aber es sollte noch schlimmer kommen...

Persönlicher Eindruck

Mein persönlicher Eindruck des Filaments lässt sich ungefähr so beschreiben: Gewicht brutto: 1128 g Gewicht netto: sollten 1000 g sein, wird sich noch zeigen (Leerspule sollte dann 128g wiegen) Farbe: So richtig gold glänzend ist das Filament nicht, eher karamellfarben mit einem leichten Glanz. Leider war kein vollständiger Druck möglich, um zu schauen, wie es auf einem gedruckten Objekt ausssieht. Auch die gedruckten Plättchen haben keinen großen, metallischen Glanz. Der metallic Effekt ist eher ernüchternd. Sauberkeit: keine Verunreinigungen, keine Staubpartikel Oberfläche: glatt Konsistenz: steif und hart, schwer biegsam, im kalten Zustand schwer brüchig Temperaturen: 230-240 °C (!) Extruder, 80-90°C Bett (!), Max.-Angabe für das Filament lt. Sunlu 230°C Extrudierung: unter 230°C: sehr schlecht bis gar nicht. Führt zum Klopfen des Extruder- Steppermotors, der sich abmüht und das Filament nicht schnell genug durch die Düse bekommt. bei 230°C: unregelmäßig und schlecht. Wird dünn durch die Düse gepresst und wird danach wieder dicker. Filament wird schief ausgegeben und kringelt sich, auch so sehr, dass es nach oben an den Druckkopf gelangt, wo es sehr klebrig ist und fest pappt, was zu Gekräusel am Druckkopf führt, der zu einem Klumpen verschmilzt. Sieht dann aus wie ein Karamellbonbon am Druckkopf und ist auch so zäh und klebrig. Betthaftung: bei frisch gesäubertem Bett bei 230/60°C keinerlei Betthaftung. Filament klebt an der Düse und nicht am Bett. Erst ab 80°-90°C Bett-Temperatur und 230° Extruder-Temperatur haftet das Filament etwas, aber nicht gut. Adhäsion Layer: sehr gut, ein festes Objekt entsteht Geruch b. Druck: reicht ganz leicht nach verbranntem Plastik Druckergebnis: unterirdisch. Kein verenünftiger Druck möglich. Selbst 1-Layer-Plättchen sind nur in einem sehr engen Temperaturbereich (230+/80+°C) Bereich zu drucken und gelingen dann auch nur selten (von 5 Plättchen: 2 akzeptabel, 1 Unterextrsion mit Löcher, 1 Überextrusion an einer Stelle = Pickel, 1 komplett zerstört) Leider war kein vernünftiger Druck mit dem goldenen Filament möglich. Ich bin sehr enttäucht und schicke das Set zurück. Schwarz und Silber habe ich erst gar nicht geöffnet und schicke es verschweißt wie bekommen zurück. Ich kann das PLA+ Filament nicht empfehlen. Ich rate sogar davon ab.

Maßhaltigkeit


Jedes Filament wird ein wenig anders auf die Druckplatte gebracht oder zieht sich beim Abkühlen noch ein wenig zusammen.

Um zu testen, wie sich die erste Schicht aufs Druckbett legt und ob die einzelnen vom Druckkopf gelegten Linien gut miteinander verschmelzen, hat sich der Druck von fünf Quadraten mit 2 mal 2 cm Breite und 0.2 mm Höhe (entsprechend genau einem Layer bei Druck mit 0.2 mm Layerhöhe) bewährt, wie er auch schon beim Bett Leveling zum Einsatz kam. Die entsprechende 3D-Datei fuenf-quadrate-eine-lage.stl kann hier heruntergeladen werden.

Außerdem läßt sich mit den gedruckten Plättchen sehr gut die Steifigkeit bzw. Flexibilität, die Verschweißung und die Bruchfestigkeit eines Filaments testen.

Desweiterung kommt ein Vermessungswürfel (Download der STL-Datei) zum Einsatz, der die Außenmaße 2 x 2 x 2 cm hat und auf jeder Seite jeweils ein Loch von einem Zentimeter, was eine Wandstärke von jeweils 5 mm ergibt. Diese Werte sollten sich annähernd auch messen lassen. Aus den gemessenen Werte lässt sich ggf. ersehen, dass man einen Druck evtl. ein wenig skalieren muss, zum Beispiel bei Platinenumfassungen, damit diese genau hineinpassen.

Die obere Wand muss der Drucker im Überhang drucken und dabei 1 cm überbrücken. Hier zeigen sich eventuelle Durchhänger, wenn das Material nicht schnell genügend steif wird und wie auf eine ggf. etwas durchhängende Lage im nächsten Durchgang gedruckt wird.

Leider war es nur möglich, die Plättchen zu drucken, und auch hier sind nur 2 von 5 (mit optimierten Druckparametern) anständig geworden. Einen Vermessungswürfel zu drucken, war gar nicht möglich.

Darum beschäftigt sich das nachfolgende Video hauptsächlich mit der Findung von für das Filament akzeptablen Drucktemperaturen. Zum Schluss sind nur die Plättchen druckbar und bewertbar. Einen Vermessungswürfel zu drucken, war mir mit diesem Filament nicht nötig.



So soll es natürlich nicht sein. Alle meine bereits getesteten Filamente (Anycubic PLA schwarz, Sunlu PLA DJ white, Hobbyking orange, blue, light green) ergaben mit 220°C / 60°C akzeptable Drucke. Eine Feinjustierung von Temperaturen oder Extrusionsmenge war immer nur nötig, wenn es der absolut perfekte Druck sein sollte. Das mit diesen Einstellungen gar nichts geht, wie hier beim Sunlu PLA+ Gold ist ein absolutes No-Go. Für mich ist dieses Filament damit einfach unbrauchbar.

Auch entsprechen die Maße nicht den versprochenen Toleranzen. Das Filament ist mit durchschnittlich 1.70 mm (statt 1.75 mm) viel zu dünn. Das ist schlechter als ein chinesisches Standard-Billig-Filament.

Mein Fazit

Ganz klar KEINE Kaufempfehlung für PLA+ von Sunlu. Ich bin schwer enttäuscht, weil ich mit dem Standard-Filament von Sunlu (DJ White) sehr gute Erfahrungen gemacht hatte und das PLA+ ist jetzt kein Plus sondern ein fettes, unterirdisches Minus?

Wäre das Filament nicht in einem original Sunlu-Karton geliefert worden, hätte ich fast angenommen einer Produktfälschung aufgesessen zu sein. Aber leider bestätigen die 1-Sterne-Bewertungen auf amazon meine Erfahrungen: Null Betthaftung, keine brauchbaren Drucke möglich.

Schade, da muss ich mich wohl nach einem anderen Hersteller umschauen.